Pferdewetten in Deutschland sind legal — aber nicht bedingungslos. Ein komplexes Regelwerk aus Staatsverträgen, Bundesgesetzen und behördlichen Auflagen definiert, wer wetten darf, wo gewettet werden darf und welche Steuern anfallen. Wer diese Regeln kennt, wettet rechtssicher. Wer sie ignoriert, riskiert rechtliche Grauzonen und finanzielle Nachteile.
Die gute Nachricht: Der Rechtsrahmen für Pferdewetten ist klarer als für viele andere Glücksspielformen. Das Rennwett- und Lotteriegesetz existiert seit über hundert Jahren und wurde kontinuierlich angepasst. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat die Online-Dimension geregelt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder überwacht den Markt. Wer bei lizenzierten Anbietern wettet, bewegt sich auf sicherem Terrain.
Die weniger gute Nachricht: Die Regulierung ist komplex, und nicht alle Anbieter halten sich daran. Offshore-Buchmacher ohne deutsche Lizenz locken mit Boni und vermeiden die Wettsteuer — zu Lasten der Rechtssicherheit für den Kunden. Im Streitfall stehen solche Wetter ohne Handhabe da.
Dieser Leitfaden erklärt die rechtlichen Grundlagen für Pferdewetten in Deutschland 2026: den Glücksspielstaatsvertrag, das Rennwettgesetz, die Rolle der Behörden, die Spielerschutzsysteme und die steuerlichen Aspekte. Am Ende steht eine praktische Checkliste, mit der jeder Wetter prüfen kann, ob sein Anbieter die Anforderungen erfüllt. Rechtssicher wetten ist kein Hexenwerk — aber es erfordert informierte Entscheidungen.
GlüStV 2021: Der rechtliche Rahmen
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 — kurz GlüStV 2021 — ist das zentrale Regelwerk für Glücksspiele in Deutschland. Am 1. Juli 2021 in Kraft getreten, hat er erstmals bundesweit einheitliche Standards geschaffen. Vorher herrschte ein Flickenteppich aus Länderregelungen, der für Anbieter und Kunden gleichermaßen verwirrend war.
Für Pferdewetten ist der GlüStV relevant, aber nicht allein maßgeblich. Die Besonderheit: Rennwetten existierten schon vor dem Staatsvertrag als regulierte Glücksspielform und unterliegen zusätzlich dem Rennwett- und Lotteriegesetz. Der GlüStV ergänzt diese Regelung um moderne Anforderungen, insbesondere für den Online-Bereich.
Die Struktur des deutschen Marktes spiegelt diese Doppelregulierung wider. Laut Evaluierungsbericht des Landes Hessen existieren in Deutschland 49 Rennvereine, die Totalisator-Wetten anbieten dürfen, sowie etwa 60 lizenzierte kommerzielle Buchmacher für Rennwetten. Diese überschaubare Zahl garantiert Qualität und Kontrolle.
Der GlüStV 2021 verfolgt mehrere Ziele: Schutz vor Spielsucht, Eindämmung des Schwarzmarkts, Verbraucherschutz und Sicherstellung eines geordneten Wettmarkts. Diese Ziele werden durch konkrete Maßnahmen umgesetzt: Lizenzpflicht für Anbieter, Einzahlungslimits für Spieler, Sperrsysteme für gefährdete Personen und Werbebeschränkungen.
Paragraph 27 des GlüStV regelt spezifisch die Pferdewetten. Er verweist auf die etablierten Strukturen des Rennwettgesetzes und integriert sie in das Gesamtsystem. Diese Integration bedeutet: Wer bei einem nach Rennwettgesetz lizenzierten Anbieter wettet, erfüllt automatisch auch die Anforderungen des Staatsvertrags.
Die Einordnung aus Regierungsperspektive verdeutlicht die Intention des Gesetzgebers. Die damalige Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig betonte bei Einführung des GlüStV 2021: „Durch den Glücksspielstaatsvertrag erhoffen sich die Länder klare Strukturen und einen besseren Spieler- und Jugendschutz.“ Diese Hoffnung hat sich im Pferdewettenbereich weitgehend erfüllt — der Markt ist überschaubar, reguliert und transparent.
Für Wettkunden bedeutet der GlüStV konkret: Nur bei Anbietern mit gültiger Lizenz zu wetten. Die Lizenz kann von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder erteilt werden oder — für traditionelle Rennwetten — auf dem Rennwettgesetz basieren. In beiden Fällen unterliegt der Anbieter behördlicher Aufsicht, muss Spielerschutzmaßnahmen umsetzen und kann bei Verstößen sanktioniert werden.
Die praktische Umsetzung zeigt sich im Alltag: Lizenzierte Anbieter fragen bei der Registrierung persönliche Daten ab, verlangen eine Identitätsprüfung und bieten Werkzeuge zur Selbstbeschränkung. Diese Schritte mögen lästig erscheinen, sind aber Ausdruck des gesetzlichen Schutzauftrags.
Rennwett- und Lotteriegesetz
Das Rennwett- und Lotteriegesetz — RennwLottG — ist das spezifische Bundesgesetz für Pferdewetten. Seine Ursprünge reichen ins Jahr 1922 zurück, womit es zu den ältesten Glücksspielgesetzen Deutschlands gehört. Die aktuelle Fassung von 2021 hat das Regelwerk modernisiert, ohne seine Grundstruktur zu verändern.
Das Gesetz regelt zwei zentrale Bereiche: die Besteuerung von Rennwetten und die Erlaubnispflicht für Buchmacher. Im Unterschied zum Glücksspielstaatsvertrag, der alle Länder bindet, ist das RennwLottG Bundesrecht und damit einheitlich im gesamten Bundesgebiet gültig.
Die Totalisator-Wetten der Rennvereine genießen historische Sonderrechte. Diese Vereine dürfen ohne separate Konzession Wetten auf ihren eigenen Veranstaltungen anbieten — ein Privileg, das aus der traditionellen Verknüpfung von Pferdezucht, Rennsport und Wetten resultiert. Die Einnahmen aus dem Totalisator fließen direkt in den Rennsport: Rennpreise, Infrastruktur, Zuchtförderung.
Kommerzielle Buchmacher benötigen hingegen eine Erlaubnis nach dem Rennwettgesetz. Diese wird von den Landesbehörden erteilt und unterliegt strengen Auflagen: Zuverlässigkeit des Betreibers, ausreichende Kapitalausstattung, Einhaltung der Spielerschutzvorschriften. Die Erlaubnis ist nicht automatisch unbefristet — sie muss regelmäßig erneuert werden, was eine fortlaufende Kontrolle sicherstellt.
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Glücksspielen: Das Rennwettgesetz erlaubt sowohl stationäre als auch Online-Wetten, sofern die Erlaubnis entsprechend ausgestaltet ist. Diese Flexibilität hat dazu geführt, dass der Pferdewettenmarkt früher als andere Segmente einen legalen Online-Bereich entwickelte.
Die Verbindung zum Tierschutz ist ein oft übersehener Aspekt. Das Rennwettgesetz und die darauf basierenden Regelungen setzen indirekt Standards für den Umgang mit Rennpferden. Veranstalter müssen Auflagen erfüllen, die das Wohl der Tiere schützen — anderenfalls riskieren sie ihre Lizenz und damit die Möglichkeit, Totalisator-Wetten anzubieten.
Für den einzelnen Wetter hat das RennwLottG praktische Konsequenzen: Es definiert die Wettsteuer, regelt die Auszahlungspflichten der Anbieter und schafft einen Rechtsrahmen für Streitigkeiten. Wer bei einem nach RennwLottG lizenzierten Anbieter wettet, hat im Konfliktfall Zugang zu deutschen Gerichten und Aufsichtsbehörden — ein Vorteil, der bei Offshore-Anbietern fehlt.
Die Zukunft des Rennwettgesetzes wird von der allgemeinen Entwicklung des Glücksspielmarkts abhängen. Diskussionen über eine stärkere Integration in den GlüStV-Rahmen existieren, aber konkrete Änderungen sind nicht absehbar. Vorerst bleibt das RennwLottG der spezialisierte Rechtsrahmen für Pferdewetten in Deutschland.
Ein praktischer Aspekt verdient besondere Erwähnung: Die Erlaubnis nach RennwLottG ist an die Person des Buchmachers gebunden, nicht nur an das Unternehmen. Wechselt die Geschäftsführung, muss die Erlaubnis neu beantragt werden. Diese Personenbindung soll verhindern, dass Lizenzen gehandelt oder missbraucht werden — ein zusätzlicher Schutzmechanismus für Wettkunden.
GGL und die White List
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder — GGL — ist seit 2021 die zentrale Aufsichtsbehörde für Online-Glücksspiele in Deutschland. Mit Sitz in Halle an der Saale koordiniert sie die Regulierung über alle Bundesländer hinweg und führt die öffentliche White List der lizenzierten Anbieter.
Die White List ist das wichtigste Werkzeug für Verbraucher. Sie enthält alle Anbieter, die eine gültige Erlaubnis für Online-Glücksspiele in Deutschland besitzen. Ein Blick auf die Liste vor der Registrierung bei einem neuen Anbieter kostet Sekunden und spart potenziell erhebliche Probleme. Wer dort nicht gelistet ist, operiert entweder illegal oder in einer regulatorischen Grauzone.
Für Pferdewetten ist die Situation etwas komplexer: Traditionelle Anbieter mit Erlaubnis nach dem Rennwettgesetz erscheinen nicht automatisch auf der GGL-White-List, sind aber dennoch legal. Die White List konzentriert sich primär auf Online-Casinos und Sportwetten nach GlüStV. Wer bei einem etablierten Pferdewetten-Anbieter unsicher ist, sollte dessen Lizenzstatus direkt auf der Website prüfen — seriöse Anbieter weisen ihre Erlaubnis transparent aus.
Die Aufgaben der GGL gehen über die Listenführung hinaus. Die Behörde erteilt und entzieht Lizenzen, kontrolliert die Einhaltung der Spielerschutzvorschriften, koordiniert die Sperrungssysteme und geht gegen illegale Anbieter vor. Bei Beschwerden können sich Verbraucher direkt an die GGL wenden — ein Beschwerdemanagement, das bei unregulierten Anbietern fehlt.
Die Durchsetzungsmacht der GGL hat Grenzen. Gegen ausländische Anbieter ohne deutsches Geschäft ist wenig auszurichten. IP-Sperren und Payment-Blocking können umgangen werden. Dennoch hat die Existenz einer zentralen Behörde den Markt verändert: Seriöse internationale Anbieter beantragen deutsche Lizenzen, um rechtssicher operieren zu können.
Für Wettkunden bedeutet die GGL praktisch: eine Anlaufstelle bei Problemen, eine Garantie für Mindeststandards bei lizenzierten Anbietern und ein einfaches Werkzeug zur Unterscheidung von legal und illegal. Die White List sollte vor jeder Registrierung konsultiert werden — nicht aus Paranoia, sondern aus informiertem Eigeninteresse.
Die Arbeit der GGL zeigt messbare Ergebnisse. Im Jahr 2024 wurden nach Angaben der Behörde 199 neue illegale Websites identifiziert und Maßnahmen gegen sie eingeleitet. Diese Durchsetzungsaktivität signalisiert dem Markt, dass Regulierung keine leere Drohung ist. Für legale Anbieter verbessert sich dadurch das Wettbewerbsumfeld — sie konkurrieren nicht mehr gegen Anbieter, die sich durch Regelumgehung unfaire Vorteile verschaffen.
Ein praktischer Tipp: Die GGL-Website bietet neben der White List auch Informationen zu gesperrten Domains und laufenden Verfahren. Wer einen Anbieter recherchiert, findet dort möglicherweise Hinweise, die auf der Website des Anbieters selbst nicht erkennbar wären. Diese Transparenz ist ein Vorteil des regulierten Marktes.
LUGAS und OASIS: Spielerschutz-Systeme
Der Spielerschutz in Deutschland stützt sich auf zwei zentrale technische Systeme: LUGAS und OASIS. Beide dienen dem Ziel, problematisches Spielverhalten zu erkennen und zu begrenzen, setzen aber an unterschiedlichen Punkten an.
LUGAS — das Länderübergreifende Glücksspiel-Aufsichtssystem — überwacht das Spielverhalten in Echtzeit. Alle lizenzierten Online-Anbieter sind verpflichtet, Daten über Einsätze und Spielzeiten an das System zu übermitteln. LUGAS prüft, ob gesetzliche Limits eingehalten werden: maximal 1.000 Euro Einzahlung pro Monat, keine parallelen Spielsitzungen bei mehreren Anbietern, keine Überschreitung individuell festgelegter Grenzen.
Die Dimensionen des Systems sind beachtlich. Laut Zwischenevaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2024 sind in LUGAS 5,3 Millionen Spieler registriert, von denen täglich etwa 850.000 aktiv sind. Diese Zahlen zeigen die Reichweite des Systems — und die Herausforderung, Missbrauch zu verhindern, ohne legitime Spieler übermäßig einzuschränken.
OASIS ist die zentrale Sperrdatei. Spieler können sich hier selbst sperren lassen, wenn sie ihr Spielverhalten nicht mehr kontrollieren können. Die Sperre gilt anbieterübergreifend und kann für unterschiedliche Zeiträume eingerichtet werden — von wenigen Monaten bis unbefristet. Auch Angehörige können eine Fremdsperre beantragen, und Anbieter sind verpflichtet, auffällige Spieler zu melden.
Für Pferdewetten gelten diese Systeme mit Einschränkungen. Online-Anbieter mit GGL-Lizenz sind vollständig integriert. Traditionelle Totalisator-Wetten auf der Rennbahn hingegen fallen nur teilweise unter die elektronische Erfassung — hier greifen andere Schutzmechanismen wie Hausrechtsausübung und persönliche Ansprache durch Personal.
Die Kritik an den Systemen ist bekannt: zu bürokratisch, zu einschränkend, technisch anfällig. Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro monatlich erscheint manchen erfahrenen Wettern als willkürlich niedrig. Die Echtzeitüberwachung wird als Eingriff in die Privatsphäre empfunden. Diese Einwände sind nachvollziehbar, aber die Alternative — ein unregulierter Markt ohne Schutzmechanismen — wäre für gefährdete Spieler gefährlicher.
Die praktische Empfehlung: Die Systeme akzeptieren und mit ihnen arbeiten. Wer seine Limits erreicht, sollte das als Signal verstehen, nicht als Hindernis. Wer Spielprobleme bei sich erkennt, findet in OASIS ein Werkzeug zur Selbsthilfe. Die Systeme existieren nicht, um Spaß zu verhindern, sondern um Schaden zu begrenzen.
Wettsteuer: Wer zahlt die 5,3 Prozent?
Die Rennwettsteuer beträgt 5,3 Prozent — aber wer zahlt sie tatsächlich? Die Antwort ist weniger eindeutig, als man vermuten würde. Das Gesetz belastet formal den Anbieter, doch die Weitergabe an den Kunden ist gängige Praxis.
Die rechtliche Grundlage findet sich im Rennwett- und Lotteriegesetz. Paragraph 11 definiert die Steuer als 5,3 Prozent des Einsatzes. Steuerschuldner ist der Veranstalter der Wette — also der Rennverein bei Totalisator-Wetten oder der Buchmacher bei Festquoten. Diese Unterscheidung zwischen rechtlicher und wirtschaftlicher Belastung ist zentral.
In der Praxis existieren verschiedene Modelle der Steuerüberwälzung. Manche Anbieter ziehen die 5,3 Prozent vom Einsatz ab: Wer 100 Euro setzt, wettet effektiv nur mit 94,70 Euro. Andere Anbieter reduzieren stattdessen die Quote oder den Gewinn um den entsprechenden Betrag. Wieder andere absorbieren die Steuer und bieten ungeminderte Quoten — ein Wettbewerbsargument, das allerdings an anderer Stelle kompensiert werden muss.
Der Vergleich lohnt sich. Ein Anbieter, der die Steuer vom Einsatz abzieht, ist transparent, aber teuer. Ein Anbieter, der sie versteckt umlegt, wirkt günstiger, ist es aber nicht unbedingt. Der informierte Wetter rechnet die Steuer in seine Kalkulation ein und vergleicht die Netto-Auszahlungen, nicht die nominalen Quoten.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt: 100 Euro Einsatz auf Quote 2,00 bei einem Anbieter mit Steuerabzug vom Einsatz bringt bei Gewinn 189,40 Euro (94,70 × 2,00). Derselbe Einsatz bei einem Anbieter ohne Steuerabzug, aber mit Quote 1,894 statt 2,00 bringt ebenfalls 189,40 Euro. Die Methode unterscheidet sich, das Ergebnis ist identisch.
Die 5,3 Prozent Rennwettsteuer liegen unter der allgemeinen Sportwettsteuer von 5 Prozent des Einsatzes plus Abgaben — ein historisches Privileg der Pferdewetten. Für den einzelnen Wetter ist die Differenz marginal, aber über große Volumina summiert sie sich. Professionelle Wetter berücksichtigen diese Unterschiede bei der Anbieterwahl.
Die Steuereinnahmen fließen teilweise zurück in den Rennsport. Diese Quersubventionierung ist beabsichtigt: Wer auf Pferde wettet, finanziert indirekt die Infrastruktur, die diese Wetten erst ermöglicht. Es ist ein geschlossenes System mit langer Tradition, das auch in Zeiten des Online-Wettens Bestand hat.
Die steuerliche Behandlung von Gewinnen ist ein separates Thema. Gewinne aus Glücksspielen sind in Deutschland grundsätzlich steuerfrei — sie gelten nicht als Einkommen im steuerrechtlichen Sinne. Diese Regelung gilt auch für Pferdewetten, sofern sie bei lizenzierten Anbietern platziert wurden. Wer allerdings gewerbsmäßig wettet — also seinen Lebensunterhalt damit bestreitet — kann steuerpflichtig werden. Die Grenze ist unscharf und im Einzelfall zu prüfen.
Ein weiterer Aspekt: Die Wettsteuer ist nicht identisch mit der Einkommensteuer auf Gewinne. Die 5,3 Prozent fallen unabhängig vom Ausgang der Wette an — bei Gewinnen und bei Verlusten gleichermaßen, weil sie auf den Einsatz berechnet werden. Diese Systematik unterscheidet die Wettsteuer von einer Gewinnsteuer und erklärt, warum manche Anbieter sie vom Einsatz abziehen.
Anbieter ohne deutsche Lizenz: Risiken
Im Internet werben Anbieter ohne deutsche Lizenz mit verlockenden Angeboten: höhere Quoten, keine Wettsteuer, üppige Boni. Die Rechnung klingt einfach — mehr Gewinn bei weniger Kosten. In der Praxis ist sie gefährlich.
Das erste Risiko betrifft die Rechtssicherheit. Wer bei einem unregulierten Anbieter wettet, hat im Streitfall keine Handhabe. Deutsche Gerichte sind nicht zuständig, ausländische Aufsichtsbehörden desinteressiert. Wenn die Auszahlung verweigert wird, das Konto gesperrt oder das Unternehmen verschwindet, bleibt der Wetter auf seinem Verlust sitzen.
Das zweite Risiko ist finanzieller Natur. Unlizenzierte Anbieter müssen keine Rücklagen vorhalten und unterliegen keiner Kapitalaufsicht. Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz ohne Kundenentschädigung ist höher als bei regulierten Wettbewerben. Die vermeintlich besseren Quoten nützen nichts, wenn der Gewinn nie ankommt.
Die Dimension des Schwarzmarkts ist erheblich. Laut Evaluierung der Innenministerkonferenz 2024 beträgt der Bruttospielertrag des illegalen Online-Markts in Deutschland zwischen 300 und 500 Millionen Euro jährlich. Dieses Volumen zeigt: Viele Spieler unterschätzen die Risiken oder nehmen sie bewusst in Kauf.
Die Argumente der Schwarzmarkt-Befürworter sind bekannt: Die deutsche Regulierung sei zu streng, die Limits zu niedrig, die Steuern zu hoch. Diese Kritik mag teilweise berechtigt sein, ändert aber nichts an den Risiken. Wer illegale Anbieter nutzt, umgeht nicht nur Regeln — er verzichtet auch auf den Schutz, den diese Regeln bieten.
Die rechtliche Grauzone für Spieler ist umstritten. Während das Anbieten unerlaubter Glücksspiele eindeutig illegal ist, bewegt sich die Teilnahme als Kunde in einem unklaren Bereich. Strafrechtliche Verfolgung von Spielern ist selten, aber theoretisch möglich. Wichtiger: Gewinne aus illegalen Wetten könnten steuerrechtlich problematisch sein.
Die Empfehlung ist eindeutig: Bei lizenzierten Anbietern bleiben. Die vermeintlichen Vorteile des Schwarzmarkts werden durch die Risiken mehr als aufgewogen. Wer langfristig wettet, braucht zuverlässige Partner — und Zuverlässigkeit gibt es nur im regulierten Bereich.
Ein häufiges Missverständnis betrifft die EU-Lizenzen. Manche Anbieter berufen sich auf Lizenzen aus Malta, Gibraltar oder Zypern und behaupten, damit auch in Deutschland legal zu operieren. Das stimmt nicht. Die EU-Dienstleistungsfreiheit gilt nicht uneingeschränkt für Glücksspiele — jeder Mitgliedstaat darf eigene Regeln aufstellen. Eine maltesische Lizenz macht einen Anbieter nicht automatisch legal für deutsche Kunden.
Die Durchsetzung gegen illegale Anbieter hat sich verbessert. Die GGL arbeitet mit Zahlungsdienstleistern zusammen, um Transaktionen zu unterbinden. Internet-Provider können angewiesen werden, Websites zu sperren. Diese Maßnahmen sind nicht perfekt, erschweren aber den Zugang zum Schwarzmarkt. Wer trotzdem illegale Anbieter nutzt, muss aktiv Umwege suchen — ein zusätzliches Warnsignal.
Praktische Checkliste für legales Wetten
Die Theorie ist komplex, die Praxis einfach. Diese Checkliste hilft, innerhalb weniger Minuten zu prüfen, ob ein Anbieter die rechtlichen Anforderungen erfüllt.
Erster Check: Lizenznachweis. Jeder seriöse Anbieter weist seine Lizenz auf der Website aus — typischerweise im Footer oder unter einem Menüpunkt wie „Über uns“ oder „Rechtliches“. Bei Pferdewetten-Spezialisten sollte eine Erlaubnis nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz erkennbar sein, bei breiter aufgestellten Anbietern eine GGL-Lizenz oder beides.
Zweiter Check: White List. Die Website der GGL bietet eine durchsuchbare Liste aller lizenzierten Online-Anbieter. Wenn der Anbieter dort nicht erscheint, kann das verschiedene Gründe haben — bei Pferdewetten-Spezialisten ist das Fehlen kein automatisches Ausschlusskriterium, sollte aber zur genaueren Prüfung führen.
Dritter Check: Impressum. Ein deutsches Impressum mit Handelsregistereintrag, Geschäftsführer und Kontaktadresse ist Pflicht. Offshore-Anbieter verstecken diese Informationen oder bieten nur ausländische Adressen. Ein fehlendes oder unvollständiges Impressum ist ein Warnsignal.
Vierter Check: Spielerschutz-Tools. Lizenzierte Anbieter müssen Einzahlungslimits, Selbstsperre-Optionen und Verweise auf Hilfestellen anbieten. Wenn diese Funktionen fehlen oder versteckt sind, stimmt etwas nicht.
Fünfter Check: Zahlungsmethoden. Seriöse Anbieter akzeptieren etablierte Zahlungswege wie Banküberweisungen, Kreditkarten oder regulierte E-Wallets. Wenn nur Kryptowährungen oder obskure Zahlungsdienstleister angeboten werden, ist Vorsicht geboten.
Die Durchführung dieser Checks dauert fünf Minuten und sollte vor jeder Registrierung bei einem neuen Anbieter erfolgen. Wer alle Punkte abhakt, wettet rechtssicher. Wer Zweifel hat, sollte diese ernst nehmen und einen anderen Anbieter wählen. Der Markt bietet genug legale Optionen — das Risiko unlizenzierter Alternativen ist unnötig.
Ein abschließender Gedanke: Rechtssicher wetten ist nicht nur eine Frage der Legalität, sondern auch der Nachhaltigkeit. Wer bei regulierten Anbietern spielt, unterstützt ein System, das Spielerschutz, fairen Wettbewerb und die Finanzierung des deutschen Rennsports gewährleistet. Wer auf den Schwarzmarkt ausweicht, untergräbt dieses System. Die Entscheidung für legale Anbieter ist damit auch eine Entscheidung für die Zukunft des Pferdewettens in Deutschland.
Die wichtigste Regel zum Schluss: Im Zweifel nachfragen. Die GGL beantwortet Anfragen von Verbrauchern, ebenso wie die Landesaufsichtsbehörden. Wer unsicher ist, ob ein Anbieter lizenziert ist oder ob eine bestimmte Praxis zulässig ist, kann sich informieren. Diese Möglichkeit zu nutzen kostet nichts und schützt vor teuren Fehlern.
